vom 24. November 2008 - erschienen im gedruckten Tagesspiegel
Nach 40 Minuten ist es so weit. Der Seewolf zerquetscht mit bloßen Händen eine rohe Kartoffel. Es kann bei Pro 7 am Montagabend natürlich auch 50 Minuten dauern, bis endlich die Kartoffel kommt, je nach Werbeblockdauer vorher. Sagen wir es ohne Umschweife, die nervige Sache mit den Unterbrechungen ist noch das Einzige, was zwei großartigen Filmabenden im Wege stehen könnte. „Der Seewolf“, der große Abenteuerroman von Jack London, in der Neuverfilmung mit Thomas Kretschmann als Kapitän Wolf Larsen ist beste, spannende, anspruchsvolle Unterhaltung. Ein Fernsehereignis zum Ende des Jahres, und da nach wenigen Minuten Schopenhauer und Shakespeare zitiert werden, ist festzuhalten: Achtung, das ist schon auch Qualitätsfernsehen.
vom 18. November 2008 - erschienen in der "Süddeutschen Zeitung"
Die ARD zeigt 16 neue Folgen aus dem Leben der Familie Schneider-Öztürk - und die Magie einer guten Seifenoper
Was nur vermag, in Zeiten von Billionenverlusten, Bildungsmisere und Klimakatastrophe, unseren Schmerz noch zu lindern? Wir haben keinen Obama, die SPD wird demnächst wohl wegen Dummheit geschlossen. Doch die ARD zeigt Erbarmen, zerstreut uns von diesem Dienstag an vier Wochen lang mit 16 neuen Lieferungen von Türkisch für Anfänger, lässt uns lachen oder doch zumindest schmunzeln. Hernach wird Weihnachten sein und das Jahr endlich vorbei.
In Berlin haben gestern die Dreharbeiten zur dritten Staffel der
mehrfach preisgekrönten ARD-Serie "Türkisch für Anfänger"
begonnen. Mit den 16 neuen Folgen, die unter der bewährten
Regie von Edzard Önneken und Oliver Schmitz entstehen, findet
auch ein zweijähriger Zeitsprung im Leben der Familie SchneiderÖztürk
statt. So steht beispielsweise die von Josefine Preuß
gespielte zentrale Figur Lena vor der Frage, wie es nach dem
Abitur weiter geht.